Guben

Guben ist eine der ältesten Städte der Niederlausitz (Stadtrecht seit 1235) und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts die größte in der Region. 1925 zählte die Stadt 40.602 Einwohner. Die Verheerungen des 2. Weltkriegs setzten einer vorausgegangenen Blütezeit (Tuch- und Hutfabrikation) ein jähes Ende. Mit der Teilung der Stadt durch den Verlauf der Oder-Neiße-Grenze ging ein Bedeutungsverlust einher. Der historische Stadtkern befindet sich östlich der Neiße im heutigen Gubin. Und dieser ist - als Hinterlassenschaft der darüber hinweggezogenen Panzerarmeen und der Abräumungen danach - bis heute nur noch zweidimensional markiert. Westlich der Neiße verblieb - zentrumslos - die manufakturgeprägte Vorstadt. Von da an waren die neuen Gubiner Vertriebene aus den von der UdSSR okkupierten polnischen Ostgebieten, und die Gubener auf der Westseite der Neiße (vor dem Krieg weniger als 9.000 Menschen) waren vorwiegend die aus den deutschen Ostgebieten Vertriebenen.
Die Reste direkt westlich der Neiße blieben ungeliebt und die weitere Bautätigkeit während der DDR erfolgte in neuen Siedlungsteilen weiter außerhalb im Westen. Der Bau des Chemiefaserwerkes im Zuge der DDR-Strukturplanung erzeugte ab 1960 Einwohnerzuwachs (31.000 Einwohner in Guben und 15.300 in Gubin im Jahr 1973; 37.234 Einwohner in Guben im Jahr 1981). In der Zeit des visafreien Reiseverkehrs zwischen Polen und der DDR von 1972 bis 1980 belebte sich auch der Kontakt zwischen den Bürgern des Städtepaars. Täglich pendelten 1.500 Arbeiterinnen über die Neißegrenze zum Chemiefaserwerk in Guben, als Teil der 8.500 dort Beschäftigten. Mit dem Kriegsrecht in Polen 1980 war die Grenze wieder dicht (bis 1989) und damit endete auch eine bereits fortgeschrittene konzeptionelle Zusammenarbeit für ein gemeinsames Stadtzentrum.